02.08.2011

"Sinsheim ist um eine Attraktion reicher"

Das Schmidt's im alten Bahnhof wurde am Mittwoch, 27. Juli 2011, feierlich eröffnet

Anfang April begannen die Bauarbeiten am Bahnhof Sinsheim, viel war davon von außen jedoch nicht zu sehen. Erst im Juni und Juli begann sich das Äußere des Gebäudes zu verändern, aber das in rasantem Tempo. Auch im Umfeld vollzog sich ein Wandel, die Straße zum Bahnhof wurde neu asphaltiert und die Gehwege gepflastert.

Rund vier Monate, nachdem die Handwerker zum ersten Mal Hand an das Gebäude legten, eröffnete das Herzstück des neuen Sinsheimer Bahnhofs, der Gastronomiebetrieb. Ein sichtlich gut gelaunter Wolfgang Scheidtweiler, Bauherr und Chef der Eppinger Palmbräu, begrüßte zusammen mit seiner Frau und Mitgeschäftsführer Lionel Berger an diesem Mittwochabend zahlreiche Ehrengäste zur Einweihung des Schmidt's. Vielleicht ein paar Tage verspätet, wie Scheidtweiler anmerkte, aber in einem umso schöneren alten Bahnhof.

Die Sinsheimer Stadtspitze, Oberbürgermeister Rolf Geinert und Bürgermeister Achim Keßler, war der Einladung an diesem Mittwoch Ende Juli gerne gefolgt, ebenso die beiden Sinsheimer Landtagsabgeordneten Elke Brunnemer (CDU) und Thomas Funk (SPD). Auch der Oberbürgermeister von Eppingen, Klaus Holaschke, hatte es sich nicht nehmen lassen zu kommen, wenn Palmbräu in Sinsheim Flagge zeigt. Scheidtweiler hob Holaschkes großen Anteil an der Rettung der Brauerei hervor, "dass es Palmbräu in dieser Form gibt." Ein weiterer Mitstreiter um den Erhalt der Palmbräu und der daran hängenden Arbeitsplätze wurde besonders begrüßt, der frühere Insolvenzverwalter der Brauerei, Karl-Heinz Branz.

Scheidweiler bedankte sich bei allen, die bei der Realisierung des Bahnhofs mitgeholfen haben, ganz besonders bei Claus-Heinrich Mohr, Geschäftsführer des Projektentwicklers Dombrowski Massivhaus, und bei Erich Mick und Edgar Lutz, die im Hintergrund mitgewirkt haben. Sein Dank galt auch allen, die von städtischer Seite geholfen haben, dass dieses Objekt so wurde. "Auch wenn es da zwischendurch etwas Sand im Getriebe gab," wie der Palmbräu-Chef kritisch bemerkte. Aber Sand müsse auf den Schienen sein, damit die Bahn auch bremsen kann. "Sonst wären wir vielleich über den Bahnhof hinaus geschossen", schmunzelte Scheidtweiler. "Unterm Strich: heute ist alles wunderbar und wir sind alle glücklich, dass wir da sind", meinte der Unternehmer versöhnlich.

Nur wegen Gastronomie das Projekt gestemmt

Ein bisschen was vom Innenleben des Bahnhof habe man schon beim Hereinkommen durch den Haupteingang sehen können, erläuterte Scheidweiler. Hier werden künftig die Fahrgäste der Bahn auf dem Weg zum Bahnsteig hindurchlaufen. Hier befinde sich auch eine öffentliche Toilette und ein Behinderten-WC, dem schließe sich - zumindest für die kommenden fünf Jahre - ein Schalter der Deutschen Bahn an, an dem Fahrkarten kaufen und Auskünfte erhalten könne. Der westliche Teil des Wintergartens gehöre zum Gastronomiebetrieb, "und die Gastronomie ist für uns Palmbräuianer natürlich das Wichtigste an diesem Haus. Denn nur deswegen haben wir dieses Projekt auch gestemmt", betonte der Brauerei-Chef.

Es sei gar nicht so einfach, hier eine Gastronomie reinzuplanen, "aber es ist uns gelungen, zusammen mit der Familie Schmidt." Wolfgang Scheidweiler begrüßte Senior Herbert Schmidt und seine beiden Junioren Jens und Swen. Sie waren keine einfachen Partner, betonte der Unternehmer, die Schmidts hatten ganz klare Vorstellungen, aber man habe immer gemeinsam gute Lösungen gefunden. "Wir sind sehr froh, dass wir die Familie Schmidt hier gewonnen haben, den Bahnhof mit neuem Leben zu erfüllen."

Im östlichen Teil des Gebäudes, werde eine Buchhandlung der Firma Schmitt einziehen, ein Drittel des Gebäudes werde als Personalräume von der Bundesbahn genutzt. Das Dachgeschoss sei Lager und Personalraum der Gastronomie. "Das Haus ist vom Keller bis zum Speicher genutzt. Und sinnvoll genutzt", betonte der Palmbräu-Chef.

Lob an alle Beteiligten

Dass das jetzt so alles stehe, sei die Arbeit von Dombrowski Massivhaus gewesen, mit Geschäftsführer Claus-Heinrich Mohr und seinen Mitstreitern. Scheidtweiler bedankte sich bei Philipp Meixner, der als Architekt die Ideen planerisch umgesetzt hat, und ganz besonders bei Bauleiter Sven Rudow. "Er war der Mann vor Ort, der jeden Tag dafür gesorgt hat, dass wir einigermaßen pünktlich fertig wurden".

Scheidtweiler zeigte sich froh darüber, dass die Stadt Verständnis für die Verzögerungen bei der Realisierung hatte. Bei einer Besichtigung mit dem Gemeinderat habe OB Rolf Geinert gesagt: "Machen Sie es in Ruhe und gut fertig. Qualität ist für uns wichtiger, als wenn Sie das jetzt schnell durchziehen. Und da waren wir sehr dankbar dafür, dass wir nichts auf die Schnelle zusammenbasteln mussten". Und allen Handwerkern, "die hier Großartiges geleistet haben", dankte er ganz besonders für ihren Einsatz am Wochenende, am Samstag und zum Teil auch am Sonntag. "Das ist nicht selbstverständlich, und dafür sind wir Ihnen dankbar."

"Ein guter Tag für Sinsheim"

Oberbürgermeister Rolf Geinert betonte in seiner Rede die Bedeutung des Projektes "Bahnhof Sinsheim" für die Stadt und ließ die Geschichte noch einmal Revue passieren. Vor sechs, sieben Jahren kaufte man das Gebäude, um die Hand drauf zu haben, dass etwas mit dem Gebäude geschieht, was gut ist für die Stadt. Kleinen Wettbewerb ausgeschrieben mit Vorgaben, was die Stadt gerne hätte. Scheidtweiler mit Mohr, Lutz und Mick als Gewinner aus dem Wettbewerb hervor gegangen. Zu einem gemeinsamen Ergebnis gekommen, dass wir heute in Vollendung sehen. "Sinsheim ist um eine Attraktion reicher."

Der gestrige und der heutige Tag ist ein sehr guter Tag für Sinsheim. Gestern habe man den Vertrag für den Bäderpark unterzeichnet, heute freue man sich über dieses repräsentative und tolle Gebäude.

Und was die Zeit der Fertigstellung anging: Man habe die Vorgabe gemacht, vor der Frauenfußball-Weltmeisterschaft fertig zu sein, dass es zumindest vor dem Beginn der Bundesligasaison fertig ist. "Und das Ziel haben wir ja erreicht! Also gibt es auch keinen Grund zu jammern und zu meckern", so Geinert.

Ein ganz herzliches Dankeschön an Scheidtweiler im Namen der gesamten Stadtverwaltung und des Gemeinderats für sein Engagement hier in Sinsheim. Das ist nicht selbstverständlich, mit wieviel Herzblut und auch Kapital Sie sich in dieses Projekt eingebracht haben und für unsere Stadt diese tolle Gastronomie und diesen tollen Bahnhof verwirklicht haben.

Findet es auch toll, dass so viele Gäste aus Eppingen da sind. Versteht sich nicht als Konkurrent zu Eppingen, und die Palmbräu ist vielleicht sowas wie ein Mittler zwischen den beiden Kraichgau-Metropolen.

Der Bürgermeister und der Spaten

Bürgermeister Achim Keßler war zur Eröffnung mit einem gravierten Spaten erschienen. "Ich nehme an Sie denken: Der ist ja wohl im falschen Film." Dombrowski-Geschäftsführer Claus-Heinrich Mohr schmunzelte später, er habe schon gedacht, Keßler komme mit dem Spaten für das nächste Projekt. Keßler erklärte anschließend, was es mit dem Spaten auf sich hatte. Vor drei Jahren, fast auf den Tag genau, habe die Elektrifizierung der S-Bahn begonnen, und da sei auch dieser Spaten in Aktion getreten, erläuterte der Bürgermeister. Er habe sich damals schon gedacht, wenn aus diesem Bahnhof das wird, was wir uns wünschen und erträumen, dann soll dieser Spaten hier einen Platz finden. An Scheidtweiler gewandt sagte er: "Deswegen ist heute der richtige Tag, Ihnen das zu übergeben." Der Oberbürgermeister habe von einem Geschenk gesprochen. Nun sei es so, dass die Stadt Sinsheim nichts zu verschenken habe. "Deswegen nehmen Sie es bitte als Leihgabe, aber ich hoffe, dass er hier lange, lange, lange in Ihrer Obhut bleibt", schloss Keßler.

Von den Problemen, einen Bahnhof umzubauen

"Bauen ist im Allgemeinen schon eine Herausforderung, aber einen Bahnhof umzubauen ist nochmal Faktor drei, was alles anbelangt". Claus-Heinrich Mohr vom Wieslocher Projektentwickler Dombrowski Massivhaus blickte noch einmal kurz auf die jüngere Geschichte des Bahnhofs zurück. In zwei, drei Telefonaten durfte er Palmbräu Geschäftsführer Lionel Berger das Objekt vorstellen, dann habe es einige Zeit gedauert, bis es zu einem Termin kam. Und dann sei eigentlich relativ schnell der Funke übergesprungen. "Ich habe gesehen, ihr habt eine Idee, ihr wisst, was ihr daraus machen könnt. Und ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen", so Mohr. Er bedankte sich bei allen Handwerkern, dass der Bau unfallfrei und ohne Schaden für Dritte abgewickelt wurde, und das teilweise nachts, an Wochenenden und im Zweischichtbetrieb. Sein Dank galt auch der Stadt Sinsheim, insbesondere Bürgermeister Achim Keßler. Man habe manchmal in vielen Dingen gestritten, war anderer Meinung, aber man habe letztendlich immer einen Konsens erzielt. "Und das war wichtig in der ganzen Sache."

Vor rund zwölf Monaten habe die Stadt Sinsheim Dombrowski Massivhaus das Gebäude gegeben. "Wir sind jetzt fast fertig, und jetzt wollen wir Ihnen etwas zurückgeben". Der Dombrowski-Geschäftsführer überreicht drei gravierte Schlüssel aus Metall, eine an die Stadt Sinsheim, vertreten durch Oberbürgermeister Geinert und Bürgermeister Keßler, einen an die Bauherren Berger und Scheidtweiler und einen an die Familie Schmidt als Betreiber der Gastronomie. "Wir möchten Ihnen das Gebäude zurückgeben. Alles Gute und allzeit Glück im neuen Haus", wünschte Mohr zum Abschluss.

Nach all den vielen Worten schritten Stadtspitze und Bahnhofsinvestoren zur Tat: Oberbürgermeister Geinert und Palmbräu-Geschäftsführer Lionel Berger stachen das Bierfass an und Wolfgang Scheidtweiler erklärte das Buffet für eröffnet.